Alles bio – oder was?

26/09/2010 at 17:33 (mal was ganz anderes) (, , )

Nach langer, langer Zeit der Abstinenz – hier mal wieder ein Lebenszeichen von mir. Und zwar ein Lebenszeichen der ganz anderen Art ;)

Aber ich ärger mich seit 3 Tagen über ein Thema – und finde hier die richtige Plattform um meinen Gedanken dazu Luft zu machen:

Es geht um das Thema Bioprodukte. Ich gebe zu ich bin kein Vorzeige-Bioprodukte-einkäufer und -anwender, aber ich versuche zumindest bei frischen Produkten wie Obst, Fleisch und Gemüse auf bio zu achten. Ich mache das nicht in letzer Konsequenz und gehe in einem Biosupermarkt sondern kaufe in einem normalen Supermarkt (kein Discounter) ein.

Jetzt hab ich vor 3 Tagen Sonnenblumenkerne gekauft. Und zwar von der (zumindest mir als “Bioanfänger”) als Biomarke schlechthin bekannten Marke die sogar eine eigene Supermarktkette betreibt (ich will ja hier niemand outen). Schön das Bio-label drauf und fett aus ökologischer Landwirtschaft, etc… aber als ich mir die Packung genauer angeschaut habe (natürlich erst zuhause), was muss ich da lesen? Herkunft: China!

Naja, vielleicht stell ich mich jetzt an – aber wenn ich bio kaufe dann kommt es mir darauf an dass die Ware nicht nur ohne Gentechnik produziert wurde sondern dass sie auch nicht um die halbe Welt transportiert wird. Gerade bei den Firschprodukten achte ich darauf “möglichst” nur saisonal auch verfügbare Produkte zu kaufen – aber kann es denn sein dass hier in Deutschland – oder zumindest in Europa nicht genug Sonnenblumenkerne existieren? Darf ich die jetzt nimmer essen – oder ist das mit dem bio zum größten Teil ein Fake und ich muss wirklich immer genau hin schauen? Oder stell ich mich einfach nur an?

Oder mach ich mit meiner Einstellung einem armen kleine Biobauern in China das Leben schwer weil ich seine Produkte nicht kaufen will, bzw. finde das produkte die um die halbe Welt geflogen sind nicht mehr wirklich bio sind?

Hmm… wie seht ihr das denn?

3 Kommentare

  1. arhato sagte,

    Hey Du …. also in der Schweiz ist das schon so. Da ist Bio das Label und oft ist das dann aus irgendeiner absurden Ecke der Welt eingeflogen worden (und DAS ganz sicher nicht biologisch) und deshalb, schaue ich nun ganz genau. Bei uns gibt es Bio auch in den üblichen Einkaufsläden und da kaufe ich ein und kucke genau. Auch wenn ich in Bio Läden gehe, muss ich genau kucken weil auch dort sind die frischen Bio Feigen dann aus Südamerika.
    Ich finds Mürbe aber es ist wohl einfach so.
    Hir in Zuerich haben wir ausserdem noch das Thema mit den “aus der region, Für die Region” Produkten ….. da weiss ich seit neustem, dass die Zuercher Region offenbar bis ins Baslerische Gebiet zu reichen scheint. Von dort sind dann nämlich die meisten Produkte:O( So …. nun habe ich meinem Ärger auch Luft machen können. Gute Sache so ein Blog :O)

  2. norge_troll sagte,

    Moinsen.. zuerst einmal.. jeder kann auf seinen Kram “Bio” schreiben, wenn er das mag, deswegen muss das noch nicht stimmen. Wer die bekannten Siegel verwenden will, unterliegt den entsprechenden Regeln. Infos zu den existierenden Siegeln und vieles mehr bekommt man unter: http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96kologische_Landwirtschaft
    Dort sieht man auch, dass Bio in vielen Ländern betrieben wird.. und dies kann durchaus unter den gleichen, ökologischen Bedingungen passieren.
    Ob es ökonomisch und für die CO2-Bilanz des Planeten sinnvoll ist, Dinge nun um die halbe Welt zu karren ist eine andere Sache (wobei die Sonnenblumenkerne sicherlich als Containerfracht mit dem Schiff gekommen sind und da “geht es noch”). Aber wie unter obigem Link erkennbar.. die Herstellung kann auch in anderen Ländern, inkl. China unter Bio-Rahmendingungen stattfinden.
    Dass Du darüber hinaus auf regionale und saisonale Produkte achtest finde ich gut.. weiter so.. und immerhin verbesserst Du die CO2-Bilanz ja selbst erheblich, da Du ja einen eigenen Bauernhof betreibst.. wenn es auch nur virtuell ist ;)

  3. Jan sagte,

    Liebe Steffi!
    Tja, leider ist bio nicht unbedingt regional, aber das sagt “bio” auch nicht aus, soweit ich weiß noch nicht einmal die strengeren Verbandslabel (z.B. Demeter). Natürlich bemühen sich anständige Bio-Hersteller, möglichst regional anzubieten, aber auch hier hat die Globalisierung ihre Spuren hinterlassen. Auch Bio-Supermärkte wollen den Preis drücken. Und wie überall ist es so, dass die Chinesen ungleich billiger produzieren als wir Europäer und so verlagert sich das meiste nach Fernost. Auch weil die Transportkosten viel zu gering gehalten werden.
    Trotzdem ist der Anbau auch dort biologisch, die Kontrollen sind da in der Regel schon okay. Und es ist durchaus auch wichtig, dass sich Bio-Anbau in solchen Ländern entwickelt, auch durch unsere Nachfrage. (Den Aspekt Fairer Handel klammern wir hier lieber aus, sonst wird’s noch mehr…)
    Ökobilanzen zeigen übrigens, dass es – zumindest was CO2 angeht – sinnvoller sein kann, Bio-Äpfel aus Neuseeland zu kaufen (wenn sie nicht per Flugzeug gekommen sind), weil deutsche Ware beispielsweise im Frühling schon lange in Kühlhäusern gelagert hat, auch das braucht viel Energie.
    Aber letztlich muss jede(r) selber entscheiden, was wichtiger ist, regional oder bio, beides zusammen zu finden ist nicht einfach. Oder dann eben teuer. ;-) Oder man verzichtet auf manches. Da gibt es wohl nicht “den richtigen Weg”.
    Aber man lernt ja immer wieder dazu, schließt dann evtl. das eine oder andere Produkt für sich aus und entdeckt wieder neue Quellen. Für mich kommt zuerst bio, dann Regionalität. Aber wir hatten unsere Bio-Kiste auch mal eine Weile auf “regional” gesetzt und dann den ganzen Winter hindurch Kohl – geht auch. :)

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